Lösen wir die falschen Welt-Probleme?

by on February 18, 2008
in Digital, Politics, Science, Social Life


Foto von LittleMan

Unsere Politiker konzentrieren sich im Moment sehr auf diese beiden großen Probleme:

  1. Die fossilen Energie-Reserven der Erde gehen zur Neige
  2. Die CO2 Konzentration in der Atmosphäre sorgt für den Klimawandel, der katastrophale Folgen für die Weltbevölkerung haben wird

Bei der Lösung dieser Probleme stehen langfristige Änderungen auf dem Plan:

  1. Erneuerbare Energien sollen im Energiemix eine größere Rolle spielen. Speziell in Deutschland ist Atomenergie keine Alternative
  2. Der CO2 Ausstoß aller Länder dieser Erde soll reduziert werden, womit der Klimawandel aber wohl nur verlangsamt und nicht verhindert werden kann.

Diese Lösungsmöglichkeiten scheinen allgemeiner Konsens zu sein und alle arbeiten fieberhaft an ihrer Umsetzung. Das ist durchaus löblich und ich möchte das auch nicht schlechtreden!
Beim Browsen im Internet bin ich jedoch auf zwei andere Denkweisen von Robert W. Bussard und Richard Branson gestoßen.

Bussard ist ein Nuklearforscher, der sich bei der amerikanischen Atombehörde mit "sauberer" Atomenergie beschäftigt hat. Mit alternativen Brennstoffen – nicht das hochradioaktive Uran/Plutonium, sondern Bor und Wasserstoff – hat er versucht, einen Reaktor zu bauen, der keinen radioaktiven Abfall produziert.

Branson ist der Begründer von allem, was irgendwie "Virgin" im Namen führt. Er hat schon den X-Prize unterstützt und hat nun einen neuen Preis gestiftet: 25 Millionen Dollar für die Firma, die als erste einen Weg findet, CO2 aus der Atmosphäre zu filtern.


Foto von njd89

Diese beiden Ansätze haben mich stutzig gemacht:

  1. Ist unser Problem mit der Atomenergie, dass wir es nicht mögen, wenn durch Kernspaltung (oder – Fusion) Energie erzeugt wird? Eher nicht. Unser Problem ist, dass dabei Radioaktivität entsteht und wir nicht wissen, wo wir mit dem Müll hin sollen. Wäre es also nicht cleverer, das eigentliche Problem zu beheben? Also die Radioaktivität aus dem Prozess zu entfernen…?
  2. Der Klimawandel wird laut Forschung durch den bereits vorhandenen CO2 Anteil in der Atmosphäre verursacht. DAS wird auch unsere zukünftigen Probleme verursachen. Sollten wir also nicht versuchen, den CO2 Anteil auf ein erträgliches Maß zu senken? Ketzerisch gesprochen könnten wir dann so viel neues CO2 in die Luft pusten, wie wir wollen 😉 Dies wird allerdings durch die endlichen Vorräte an fossilen Brennstoffen eher unwahrscheinlich.

Ich finde, dass die langfritigen Strategien trotz dieser Überlegungen weiter verfolgt werden sollten. Denn auch sie sorgen für eine bessere Welt. Allerdings sollten die Lösungen unserer akuten Probleme vielleicht ein wenig kurzfristiger und vor allem realistischer sein. Denn: Wie wahrscheinlich ist es, dass die UN alle Nationen dieser Erde dazu kriegt, sich an Klimaprotokolle zu halten. Dass das nicht funktioniert, hat Kyoto deutlich gezeigt… Dagegen sind die technischen Probleme, vor denen die Wissenschaftler stehen, vermutlich ein Kinkerlitzchen (extrem technophil gedacht). Ich glaube, dass man beide Lösungswege verfolgen sollte, dabei aber die Prioritäten neu verteilen müsste.

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Hier noch die Original-Links:

Comments

4 Responses to “Lösen wir die falschen Welt-Probleme?”
  1. tiltman says:

    Hm, ich bin noch ein wenig verschlafen. Aber ich sehe da ein paar kleine gedankliche Haken, wenn ich mich nicht irre.

    Wie soll ich denn befürworten können, der Industrie den Freifahrtschein zur Produktion von umweltverschmutzenden Elementen, die die ganze Welt nachhaltig beeinflussen, weiter mit Kusshand zu überreichen? Nur weil dann eventuell Millionen in die Forschung für Filtersysteme oder vermeintlich sauberere Systeme jedweder Art gehen, verspricht das doch noch nicht das, was wir uns alle erhoffen. Und zwar schon mittelfristig sichtbare Verbesserung der miserablen Um- und Zustände für die kleinen Leute in der Gesellschaft, die sonst die Hoffnung auf Veränderung ganz fallen lassen werden.

    Ich glaube bei allem Technik- und Fortschrittsglauben wird da in manchen Köpfen der Faktor “Zeit” meiner Meinung nach total ausgeblendet. Die kann keine Technologie aufhalten. Warum also Millionen Forschungsgelder in neue Systeme, noch dazu Filter wie im Text erwähnte, stecken? Erinnert mich auch irgendwie an euphemistische Emissionsrechte, muss ich sagen. Ist es denn nicht sinnvoller, dann das gleiche Geld in bereits erforschte oder bereits bestehende Technologien zu stecken, bzw. diese zu verbessern, diese endlich auch auf den Markt zu lassen und auch für alle zugänglich zu machen? Gibt es nicht schon seit Jahren Autos und andere Technologien, die weniger Energie jedweder Art verbrauchen oder zumindest dazu beitragen?

    Finde auch, dass der Ansatz auf industrieller Seite blühen sollte, mehr zur Energieeinsparung und Umwelt- sowie Ressourcenschonung beizutragen. Jedoch erwische ich mich dann auch immer wieder dabei, auf der kleineren Ebene zu scheitern. Ich schaffe es nach Jahren des Recyclings immer noch nicht, meinen Müll dauerhaft sortiert zu halten, oder gar von Anfang an zu vermeiden. Und da sollten wir doch immer noch anfangen, unser Gewissen zu beruhigen, oder? Ich erinnere mich auch an deinen Beitrag im Blog zum Thema “Wie ich versuche, einen Beitrag zu leisten”. War zum Thema Stromverbrauch im Haushalt.

    Habe das Thema Energie und Müll / Umwelt gerade auch wieder als Unterrichtseinheit behandelt. Das Umweltbewusstsein der Deutschen steht bei allen ausländischen Schülern immer noch in hohem Ansehen. Wenn man ihnen dann die kritischen Punkte aufzählt, oder erwähnt, dass Deutschland aufgrund der Abhängigkeitsverhältnisse von anderen wieder über atomare Energiegewinnung diskutiert, sieht man bei den jungen Leuten ungläubiges Kopfschütteln oder Fragezeichen in den Gesichtern geschrieben.

    So viel erst mal von hier.

  2. Kai says:

    Hi Tiltman,

    ich glaube, da liegen mehrere Missverständnise vor.

    Ich meine nicht, dass man der Industrie einen Freifahrtschein zum Verschmutzen und Verpesten geben sollte. Die Lebensqualität von Stadt- und Landbewohnern sollte definitiv im Vordergrund stehen. Ich weiss nicht, wie Du darauf kommst, dass ich hier die Industrie aus der Pflicht nehmen würde. Quite the opposite. Bestehende Regeln sollen ja nicht gemildert werden.

    Filter:
    Es geht hier nicht darum, neue Filteranlagen in Fabriken einzubauen oder ähnliches. Es geht vielmehr darum, den Kram aus der Atmosphäre rauszuziehen. Unabhängig von den bestehenden Filtern, die beim Entstehen der Schadstoffe greifen.

    Faktor Zeit:
    Die Zeit, die es dauert, bis die politischen Bemühungen greifen, ist meiner Meinung nach wesentlich unterschätzt. In meinen Augen ist nicht gesichert, dass diese Maßnahmen überhaupt rechtzeitig greifen können. Das wird teilweise auch von Wissenschaftlern bezweifelt. Alle Initiativen in diese Richtung gehen auf ein Abmildern des Anstiegs, nicht auf ein Reduzieren der Abgase. Gerade mit Asien (non-Japan) ist hier nicht auf eine schnelle Einigung zu hoffen.
    Daher ist eigentlich die technische Lösung (CO2 aus Luft filtern) vermutlich schneller als die politische (CO2 in der Luft lassen und weniger produzieren)

    Verbesserung bestehender Technologien:
    Hier gilt auch wieder, dass diese Technologien nichts dagegen tun, was sich bereits in der Atmosphäre befindet. Das ist die Crux an der Sache. Was in den Bestrebungen von Bussard und Branson rüberkommt, ist eher ein “Break-Through” Ansatz, also eine Art von Revolution, die dann neue Maßstäbe setzt.
    Ich glaube, Du hast meinen Gedankengang zu sehr auf der “traditionellen” Seite gesehen. Und die Zeit für “mehr von denselbem” ist eigentlich abgelaufen.

    Langfristig vs. Kurzfristig:
    Für mich soll der langfristige (politische) Ansatz nicht gestoppt werden. Es soll vielmehr parallel nach technischen Lösungen gesucht werden. Es geht also eher um eine Verschiebung von Prioritäten bei der Geldverteilung. Ich finde auch, dass Umweltbewusstsein sehr wichtig ist und weiter gefördert werden sollte. Die von mir gestellten Fragen sollen eigentlich das Umweltbewusstsein noch fördern und in pragmatischere Bahnen lenken. Idealismus und Pragmatismus vereinen.

    Es sollten alle Lösungsansätze verfolgt werden. Auch parallel. Der von mir beschriebene Denkschritt ist aber in meinen Augen ein wenig unterrepräsentiert und darauf wollte ich aufmerksam machen.

    Ich selbst spare Strom, wo ich kann. Ressourcenverschwendung ist aus Prinzip scheisse. Das widerspricht aber nicht den hier beschriebenen Ideen. Es ergänzt sie nur.

    So nach dem Motto: Die Technik hat uns den Mist eingebrockt, sie muss auch ihren Teil dazu beitragen, sie auszulöffeln! Das wird noch zu wenig gemacht…

    Noch ein Wort zum Mülltrennen und persönlichen Recyclen. Es ist in vielen Fällen tatsächlich NUR für das Gewissen gut. Eine Menge Plastikmüll aus dem Dualen System wird nicht recycled, sondern ebenfalls verbrannt, weil sonst die Verbrennungsöfen zu kalt werden, was für die Betreiber teurer ist, als Plastikmüll zu kaufen und zu verbrennen. Das Trennen wird also am Ende wieder rückgängig gemacht.

    Außerdem will mir partout nicht in den Sinn, wieso ich eine so sinnvolle und wichtige Sache wie Müll trennen in die Hände von Millionen von Menschen lege. Es ist doch klar, dass dies nie 100% funktionieren kann. In meinen Augen sollten Mülltrennung an vielen zentraleren Stellen erledigt werden. Bei den Sammelstellen, zu denen der Müll von der Müllabfuhr gefahren wird. Dort kann man eine Menge von dem Kram automatisieren. Und man steht nicht dauernd vor der Frage: Darf ich das überhaupt in die gelbe Tonne werfen? Es hat keinen grünen Punkt, besteht aber aus dem gleichen Material wie das Teil, das einen hat… Als Hersteller/Händler muss man ja die Teilnahme am Grünen Punkt erkaufen und das machen immer weniger. Trotzdem landet alles, was irgendwie Plastik ist, in der gelben Tonne. Das Duale Systeme ist ziemlich “broken”. Wenn man als Bürger drüber nachdenkt.

    Viele Zusammenhänge sind einfach nicht klar.

  3. Johann says:

    Das ist spannend. Jenseits von “richtigen” oder “falschen” Weltproblemen finde ich folgendes bemerkenswert.

    Auch wenn es einem oft nicht so vorkommt, gibt es in Deutschland seit einigen Jahren ein (vergleichsweise) sehr ausgeprägtes Bewusstsein für Umweltschutz und Klimawandel. Die Betonung individueller Beiträge (bunte Tonnen, etc.) steht dabei im krassen Gegensatz zur Umweltbelastung welche die deutsche Wirtschaft als ganzes produziert.

    Auf dem internationalen Level beeindruckt der Klimaschutz vor allem durch konstante Misserfolge von internationalen Verhandlungen. Doch Kioto, Rio und wie sie alle heißen hin oder her, es scheint sich was zu tun. Am deutlichsten wohl an der Prominenz vom Thema Ressourcennachhaltigkeit und Klimawandel im US Wahlkampf fest zu machen.

    Fragt sich, woher die neue Besorgnis kommt. Meine These dazu. Sie kommt nicht daher, dass in den letzten Jahren alles exponentiell schlimmer geworden ist, sprich noch schlimmer als seit einigen Jahrzehnten erwartet. Vielmehr rührt sie daher, dass die beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Erde beginnen sich zu industrialisieren. China schneller, Indien etwas weniger schnell. In mehr oder weniger absehbarer Zeit wird es also 2 Milliarden Menschen geben, die sich gerne alles erlauben wollen, was der “Westen” sich seit geraumer Zeit gönnt.

    So gesehen ist Umweltpolitik nicht (nur) eine technische und politische Herausforderung. Darüber hinaus stellt sich die moralische Frage, wer sich in Zukunft noch wieviel Umweltverschmutzung leisten darf.

  4. Basti says:

    Meine Beobachtung hierzu ist die, dass viele Menschen Umweltschutz nur dann ausüben, wenn es bereits zu einem Hype geworden ist und sie (mal wieder) mit der Masse schwimmen.

    Auf der CeBIT werden zur Zeit Messestände mit Gras und Blumen geschmückt, um die Green-IT zu pushen. Ganze Rechenzentren stellen auf erneuerbare Energien um (wobei ich das immer noch in Frage stelle, denn meiner Meinung nach gibt es gar nicht genügend Versorger, die 100% erneuerbare Energien liefern können) nach außen hin eine grüne Weste zu bekommen.

    Natürlich braucht man immer einen, der anfängt, aber das Bewußtsein, _dass_ die Erde besser geschützt werden muss, ist einfach nicht genügend vorhanden. Hypes verebben wieder…