“Ich polier 2009 die Fresse”

fireworks
Foto von Thorsten Wiedemann auf sxc.hu

Auch, wenn ich wesentlich optimistischer in die Zukunft schaue als Harald Martenstein,finde ich die aktuelle Glosse des ZEIT Magazins doch höchst unterhaltsam. Wir brauchen mehr von diesem Kampfgeist, denn dann wird 2009 sicherlich nicht so mies wie er es beschreibt.

“Charakterlich ist 2009 der letzte Dreck”

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen guten Rutsch und hoffe, dass wir uns alle gesund in 2009 wiederlesen!

Haut rein!

Comments

3 Responses to ““Ich polier 2009 die Fresse””
  1. tiltman says:

    Das zu lesen fühlt sich so an, wie mit einer Hand, die lange im Wasser war, über grobes, ungeschliffenes Kantholz zu streicheln. Man streichelt dieses sinnierend, es stellt in seinem Maß von 31x12x80 ein Jahr dar, um im nächsten Moment, -an dieser Stelle schalten wir um auf Modus monochrom und Slapstick-, an einer bestimmten Körperstelle zu landen.

    Nachdem mir schon das letzte Jahr gefühlt nur sporadisch, launisch und episodenhaft entgegengekommen ist (ich musste grade eben wieder die aktuelle Schreibweise prüfen), hat mir diese Glosse pure Freude bereitet.

    Im beinahe jungfräulich anmutenden Alter von ungefähr dreißig Minuten sah die Geisterstunde zum Jahreswechsel wirklich beängstigend aus. Ob die Schwaden nur durch die Wetterbedingungen aufkamen oder die Nebenwirkungen des Feuerwerks waren, spielt in diesem Zusammenhang keine große Rolle. – Die Gedanken, die mir dabei durch den Kopf schossen schon eher. Auf der einen Seite mal wieder Fetzen des alten Slogans “Brot statt Böller”, der sich aber mit dem zweiten Whisky langsam auch in Nebel auflöste. Dann waberten langsam, wie bei einer sich erhitzenden Lavalampe, andere Gedanken an die Oberfläche: Die Leute hatten ihre erbärmlichen letzten Euro wohl nur in bunt verpackte, chemikalienbefüllte Schwebe-, Wurf- und Schleudergeschosse investiert, um mit eben diesen das kommende Jahr gebührend willkommen zu heißen. Jeder Farbton stellte eine andere Facette dar, die zeigen sollte, dass man sich auf alles vorbereitet sieht und sich allen Lebenslagen anpassen kann. Die Knalleffekte scheinen zudem auch in jedem Jahr eine neue Dezibelgrenze zu überschreiten. Dem neuen Jahr wurde also quasi schon vorab mal eine geschallert und geballert.

    Seit sich der Nebel verzogen hat, und Morgen und Mittag immer noch gleich aussehen, bleibt abzuwarten, was denn noch so kommen mag. Ich jedenfalls freue mich schon auf die ersten Krokusse.

  2. Johann says:

    Martenstein schreibt:

    “Ökonomisch, monetär, konjunkturell und charakterlich ist 2009 der letzte Dreck.”

    Meines Wissens sind monetäre und konjunkturelle Entwicklungen immer noch Teil der Ökonomie. Insofern ist die Prognose unnötig aufgeblasen. Worin genau der Link zwischen letzterer und dem “Charakter eines Jahres” besteht ist mir völlig unklar.

    Weiterhin wundere ich mich wieso Martenstein dem vergangenen Jahr so nachtrauert. Schließlich hat das ganze Schlamassel doch bereits Anfang des Jahres begonnen und ist mir Sicherheit im letzten Quartal endgültig so richtig zum Vorschein gekommen.

    Alles in allem muss ich sagen, dass ich Kolummne mehr als lau finde. (Sorry, no offense.) Ich halte es da lieber mit dem Mann mit dem Rauschebart, der bereits vor 150 Jahren zur ersten sogenannten Finanzkrise zu sagen hatte:

    „Über geschichtliche Ereignisse beklagt man sich nicht, man bemüht sich im Gegenteil, ihre Ursachen zu verstehen und damit ihre Folgen …“

  3. tiltman says:

    Johann, ich habe dich bisher ja immer als ernsten Menschen angesehen, obwohl ich dich bisher nur in Druckform kennengelernt habe, aber in diesem Fall übertreibst du doch ein wenig, oder? Ökonomische und sozialpolitische Aspekte mal ganz beiseite, denn es handelt sich im Fall von Martenstein’s schriftlichem Beitrag zur Gestaltung einer Zeitung um eine Glosse, die arg satirisch geprägt ist und definitiv subjektivem Charakter in der Wortführung folgt.

    Egal, was der arg verweste Rauschebart da mal gesagt haben mag. – Hier geht es um die reine Betrachtung und subjektive Darstellung von Zuständen und Auswirkungen der Vergangenheit auf die Gegenwart, die nun auch wieder drei Tage älter ist.

    Happy nu one to you as well!