Erfahrungen mit Apple’s MobileMe

by on January 13, 2009
in Daily Grind, Digital, Family, Review, Social Life, Useful

mobileme

Seit einige Tagen nutze ich Apple’s MobileMe Service zum Synchronisieren meiner Daten über mehrere Computer (und das iPhone) hinweg. Schon nach dieser kurzen Zeit bin ich ein regelrechter Fan geworden. Da ich wg. des Preises selber sehr lange mit mir gerungen habe, wollte ich meine Erfahrungen mal zusammenfassen, damit ihr euch ein Bild machen könnt. Vielleicht überlegt ihr ja gerade, diesen Service bei euch einzurichten.

Auf den ersten Blick zu teuer
Sehr lange habe ich mich gescheut, MobileMe (oder auch vorher schon .Mac) einzusetzen, weil ich es einfach zu teuer fand. Das ist allerdings bei fast allen Apple-Produkten der Fall gewesen. Den iPod fand ich zu teuer, bis ich ihn einmal länger nutzen konnte und die Vorteile entdecken durfte – mittlerweile habe ich mehrere Varianten besessen und es niemals bedauert. Mac‘s an sich fand ich zu teuer, bis mein Chef für die ganze Firma welche gekauft hat – mittlerweile ist sogar Marny ein Fan und wir werden evtl. demnächst mussten ihr iBook gegen ein aktuelles MacBook austauschen.
Ähnlich ist es auch bei MobileMe. 79 EUR für einen Service zu bezahlen, den man sich auch “zusammenstückeln” kann (Google, Yahoo, Microsoft Services irgendwie aufpfropfen würde schon gehen), fand ich zu teuer. Nun habe ich netterweise wieder die Möglichkeit, das Produkt “kostenlos” zu testen, da ich es gesponsert bekommen habe. Und schon einige Tage nach dem ersten Einsatz bin ich hin und weg. Die direkte Integration der Synchronisierung in die Programme und auch direkt in das Betriebssystem OS X sind eine ganz andere und wesentlich angenehmere Erfahrung als das Zusammenstricken der Funktionen durch einzelne Services.
Wenn man sich einmal auf die Vision von Apple eingelassen hat, dann greift wirklich alles ineinander. Man bekommt alles aus einer Hand. Das hat schon Vorteile. Aber nun zu den einzelnen Services:

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Adressbuch und Kontakte synchronisieren
Mein Adressbuch ist mir heilig 😉 Seit ich die Geburtstage dort eintrage und sie mir in iCal als Geburtstagskalender anzeigen lasse, kriege ich es immer besser in den Griff auch mal pünktlich zu gratulieren. Sonst war ich immer ein notorischer “Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag (nachträglich)”-Gratulant. Außerdem hatte ich immer das Problem, dass ich neue Kontakte nicht immer am gleichen Rechner aufgenommen habe und ich auch teilweise unterwegs neue Nummern aufgeschrieben habe. Ich habe mir früher immer damit geholfen, auf meinem Arbeitsrechner das Adressbuch komplett durch mein Notebook Adressbuch zu ersetzen. Allerdings fehlte mir dann doch immer mal wieder genau die Adresse, die ich noch nicht übertragen hatte. Darüber muss ich mir nun keine Sorgen mehr machen. Gleiches gilt für den Navigationsservice auf dem iPhone. Wenn ich zu einer neuen Adresse unterwegs bin, kann ich direkt aus dem Adressbuch meine Routenplanung starten. Dass neue Adressen automatisch übertragen werden, hilft dabei sehr, denn ich habe nicht immer Lust gehabt, die Daten per Kabel abzugleichen.
Grundsätzlich ist die Synchronisierung von Adressbuchdaten beinahe selbstverständlich bei so einem Service. Und sie funktioniert bisher sehr gut. Dabei wird alles synchronisiert, auch die Bilder. Einziger Wermutstropfen ist, dass die “intelligenten Gruppen” nicht dabei sind. Das hat mich beim Abgleich mit dem iPhone auch immer schon gestört. Da sollte man von Seiten Apple’s nochmal nachbessern.

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Kalender abgleichen
Die Kalenderfunktion ist für mich immer die komplizierteste. Hier habe ich noch keine Lösung gefunden, die alle meine Ansprüche erfüllt. Und auch MobileMe bringt mir hier keine tausendprozentige Zufriedenheit. Das Synchronisieren meiner eigenen Kalender funktioniert sehr gut und MobileMe erfüllt seine Aufgabe auf ganzer Linie. Für mich sind aber besonders auch gemeinsam genutzte Kalender ein Wunschkriterium. Zum einen würde ich gerne einen gemeinsamen Firmenkalender nutzen, den dann alle Mitarbeiter abonnieren und aktualisieren können. Zum anderen würde ich gerne einen Familienkalender mit Marny führen. Beides scheint mir nur über eine Lösung wie WebDAV Kalender (z.B. Google Calendar oder Yahoo! Calendar) zu funktionieren, allerdings tauchen diese dann nicht auf dem iPhone auf. Hier bin ich noch auf der Suche nach der perfekten Lösung. Wenn ihr Tipps für mich habt, dann immer her damit 😉

Safari Lesezeichen auf allen Rechnern
Nicht viel Überraschendes hier. Meine Lesezeichen sind nun auf allen Rechnern und dem iPhone gleich. Damit kann ich z.B. unterwegs Websites, die auf dem iPhone nicht funktionieren als Lesezeichen abspeichern und dann auf dem Rechner anschauen. Außerdem habe ich dann in Safari auf allen meinen Rechnern die gleiche Umgebung und finde mich sofort zurecht.

Schlüsselbunde synchron halten
Hier habe ich noch keine großen Erfahrungen gemacht. Ich gehe aber davon aus, dass ich damit für Websites und manche Programme meine im Schlüsselbund gespeicherten Informationen nur noch einmal eingeben muss. Das ist eine nette kleine Funktion und ich werde euch auf dem Laufenden halten, wie es mir den Alltag erleichtert.

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Programme von Drittherstellern
Das ist für mich ein Killer-Feature. Ich habe zum Beispiel TextExpander installiert, mit dem ich Textbausteine verwalten kann, die mir einige Tipp-Arbeit ersparen. Diese Textbausteine werden nun ebenfalls per MobileMe synchronisiert. Gleiches gilt für die Lesezeichen meines FTP-Programms, Transmit.
Die Möglichkeit, hier auch Programme einzubeziehen, die nicht direkt von Apple stammen, finde ich einfach großartig. Und es ist nun für die Wahl meiner Software durchaus ein Auswahlkriterium, ob es sich mit MobileMe synchronisieren lässt. Ich denke da in der Zukunft an Things, denn Basti und Phil haben mir das Programm wärmstens ans Herz gelegt. Hier ist dann auch noch die iPhone Synchronisierung mit dabei. Eine klasse Ergänzung.

Fotoalben ins Netz stellen
Zwar nutze ich Flickr, aber mit MobileMe kann ich die direkte Integration in iPhoto nutzen. Damit geht das Bereitstellen von Fotos für Verwandte und Freunde viel flüssiger von der Hand. Auch der Passwortschutz der Verzeichnisse und das Anlegen von Benutzeraccounts macht MobileMe hier zu meinem Favoriten. Sehr witzig finde ich auch, dass man Fotos per E-Mail von unterwegs zu einem MobileMe Album hinzufügen kann. Und auch meine Familie kann Fotos hochladen oder per E-Mail an das Album schicken. Dadurch könnte man zu einem bestimmten Ereignis dann alle interessanten Fotos sammeln. Sehr cool ist, dass diese an MobileMe hochgeladenen Bilder dann zurück in meine iPhoto Bibliothek übertragen werden. Wahnsinn!

iDisk dank anderer Sharing Dienste beinahe überflüssig
Zur iDisk kann ich nicht viel sagen. Ich habe wenige Dokumente, die ich noch nicht “in-the-cloud” habe. Hier sind meine Bedürfnisse auch streng zwischen Arbeit und Privat getrennt. Also muss ich nicht wirklich häufig auf Dokumente zugreifen, die ich nicht sowieso auf dem aktuellen Rechner habe. Zwischendurch werde ich es vielleicht doch mal benutzen, dann sage ich euch Bescheid.
Für den Dateiaustausch von größeren Dateien, die nicht mehr per E-Mail geschickt werden können, nutze ich eigentlich immer drop.io. Das funktioniert prächtig.

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Web-Anwendung von MobileMe
Da ich meistens mein iPhone dabei habe, ist die Web-Anwendung für mich kein Killer-Feature. Aber es sind wirklich toll programmierte Web Programme, die super funktionieren. Und gerade in den ersten Stunden meiner MobileMe-Erfahrung fand ich es klasse, die Synchronisierung meiner Geräte auch im Web zu überprüfen 😉

Push-Funktion für schnelle Aktualisierung
Gerade zu Beginn des MobileMe-Rollouts war dies ja eines der größten Probleme. Push heisst, dass die Änderungen nicht zu bestimmten Zeitpunkten erfolgt, sondern immer dann, wenn sich etwas getan hat. Wenn ich also auf meinem iPhone einen neuen Kontakt anlege, erscheint er innerhalb von wenige Sekunden auch an allen anderen Geräten. Bisher funktioniert das sehr gut und ich habe keinen Grund zur Klage. Das System scheint sich mittlerweile eingespielt zu haben. Viele meiner Kollegen benutzen Push vor allem für ihre E-Mails. Ich habe das bisher nicht eingerichtet und kann daher darüber recht wenig sagen. Vielleicht kommt dies in einem weiteren Artikel zum Thema… Allerdings ist der Auto-Sync nach dem Schlafmodus auf meinem MacBook Pro immer ein wenig hinterher. Es dauert einige Zeit, bis der Rechner nach dem Aufwachen wieder synchronisiert. Das beobachte ich weiter.

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Mein Fazit
Ich kann MobileMe bisher eigentlich uneingeschränkt empfehlen. Die Synchronisierung gibt mir ein gutes Gefühl und ich habe nun an allen meinen wichtigen Orten meine gewohnte Umgebung. Ich fühle mich, als hätte ich meine Daten nun besser im Griff 😉
Auch die iPhone Synchronisierung ist nun nicht mehr so häufig vonnöten, da das per MobileMe jetzt automatisch passiert. Ich brauche das Kabel viel seltener. Die wichtigsten Bausteine – Kontakte und Kalender – sind nun ständig unter Kontrolle. Nur die Podcasts und Musik muss ich nun noch manuell auf dem neuesten Stand halten. Aber das kriege ich hin 😉
Es ist hier wie bei vielen Apple Produkten. Man wird am Anfang vom Preis abgeschreckt, aber wenn man sich einmal dazu durchgerungen hat, das Geld auf den Tisch zu legen, bekommt man eine abgerundete Erfahrung, die gut funktioniert. Man sollte sich natürlich mit den Apple Denkmustern anfreunden können. Ich kann mir vorstellen, dass Hardcore-Windowsnutzer oder Linux-Nerds das komplette System ablehnen. Ob von der Ästhetik, den Funktionen oder der Ideologie. Aber wenn man ein Apple User ist und die Software von Apple auch mag, dann bringt einem MobileMe eine Menge Vorteile.

Disclaimer: Ich habe die 79 EUR für das erste Jahr nicht bezahlen müssen. Ich konnte daher diesen Test ohne großes Risiko machen. Aber ich weiss sicher, dass ich für Marny ebenfalls einen MobileMe Account bestellen werde und ich meinen im nächsten Jahr höchstwahrscheinlich verlängere.

Comments

8 Responses to “Erfahrungen mit Apple’s MobileMe”
  1. Phil says:

    Kann mich dem Fazit nur anschließen. Nachdem nun die Probleme beim Start beseitigt sind ein insgesamt gelungener Service.

    Außerdem: 79€ / 12 Monate sind grade mal 6,58€ im Monat …

  2. Walter says:

    MobileMe Accounts kann man sehr günstig bei ebay.com kaufen! Man bekommt eine Email mit dem Freischaltcode gesendet und kann diesen weltweit für seinen neuen oder alten MobileMe Account verwenden. Ich hab meinen für 40€ gekauft.

  3. kai says:

    Wow, das ist ja mal ein guter Tipp. Werde ich mal checken und für Marny nach einem entsprechenden Code suchen.

    Danke, Walter!

  4. molimambo says:

    habe bereits einen Familien Account, finde aber leider keine Möglichkeit beide Kalender auf meinem iPhone zu syncronisieren.

    Hast Du eine Idee?

  5. kai says:

    Hmm, da bin ich leider überfragt. Habe ja keine Familienaccount und synce nur meine eigenen Kalender… Für Marny werde ich einen eigenen Account anlegen, weil meiner ja vom Boss gesponsert wird.

    Vielleicht noch mal bei Apple gucken? Oder einen Dienst wie NuevaSync benutzen? Damit kriegen wir den Arbeits-Google-Kalender aufs iPhone…

  6. Danny4 says:

    Feiner Bericht. Ich habe mal eine Frage zu den Bildergallerien: Wie kann ich denn die im Beitrag angesprochenen Benutzer anlegen? Zugriff mit Name + PW habe ich im iPhoto anlegen können. Benutzer würde mich interessieren. In der Web-Oberfläche habe ich gar keine Einstellmöglichkeiten dazu finden können.

    Viele Grüße
    Danny4

  7. kai says:

    Hi Danny,

    also da kann ich Dir leider nicht viel zu sagen, da ich das bisher auch nur über iPhoto verwalte. Vielleicht habe ich Dich auch verwirrt mit “Benutzer” und “Name”… Ich meinte in dem Artikel nur dieses Passwort setzen per iPhoto…

    Sorry…

    Weiss einer der anderen Rat?

  8. guter Tip mit ebay, werde ich mir gleich mal anschauen!
    Bei anderen Syncvarianten kommt es oft zu Syncfehlern!

    Thomas